22. Apr. 2026 · von Richard


Stell dir vor, jemand kreuzt Per Anhalter durch die Galaxis mit einer Berliner Altbauwohnung und einem Budget aus der Portokasse — und das Ergebnis ist trotzdem genialer als die meisten Hollywood-Sci-Fi-Produktionen. Ijon Tichy: Raumpilot ist eine deutsche Science-Fiction-Satire, die auf den Sterntagebüchern des polnischen Autors Stanisław Lem basiert und es geschafft hat, aus wenig unfassbar viel zu machen. Ijon Tichy, gespielt von Oliver Jahn, ist Raumpilot, Entdecker, Diplomat und selbsternannter „Held von Kosmos". Er fliegt ohne klaren Auftrag in seiner Rakete durchs All — einem Raumschiff, das von außen aussieht wie eine riesige Kaffeepresse und von innen wie eine heruntergekommene 70er-Jahre-Wohnung inklusive Liegestuhl, Hauslatschen und Fenstervorhängen. An seiner Seite: die „Analoge Halluzinelle", gespielt von Nora Tschirner, ein weibliches Bordhologramm, das klüger ist als er und ihm das auch in jeder Szene spüren lässt. Die Serie ist absurd, trashig, voller Genrezitate — und dabei erstaunlich klug. In nur 15 Minuten pro Episode der ersten Staffel (die zweite bringt es auf 23 Minuten) packen die Macher skurrile Abenteuer auf fremden Planeten, Zeitschleifen, in denen Tichy auf sich selbst trifft und mit sich selbst streitet, und philosophische Fragen, die man erst auf dem Weg zur Küche bemerkt. Das ZDF hat die Serie damals spätabends im Nachtprogramm versteckt — was eigentlich alles sagt, was man über den Mut deutscher Fernsehsender bei originellen Formaten wissen muss. Wer Hitchhiker's Guide, Red Dwarf oder Futurama mag, wird Ijon Tichy lieben. Und wer Stanisław Lem kennt, wird die liebevollen Anspielungen auf sein Werk in jeder Szene entdecken.

810
    Loading…